{"id":95,"date":"2021-08-03T12:59:05","date_gmt":"2021-08-03T12:59:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buergerverein-ammerbuch.de\/bv\/?page_id=95"},"modified":"2021-08-05T10:26:24","modified_gmt":"2021-08-05T10:26:24","slug":"geschichte-des-buergervereins","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.buergerverein-ammerbuch.de\/bv\/geschichte-des-buergervereins\/","title":{"rendered":"Vereinsgeschichte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von Dr. Johannes Rothmund (Januar 2021)<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der B\u00fcrgerverein wurde am 27.01.1974 gegr\u00fcndet \u2013 als Protestverein! Genaugenommen ging der Vereinsgr\u00fcndung eine B\u00fcrgerinitiative voraus, die sich \u201eAktion B\u00fcrgerwille\u201c nannte. Ende 1973 hatte sich diese Aktion gegen die Ausweisung des Flugplatzes in Poltringen als \u201eSonderlandeplatz\u201c gerichtet. Und sich gleich mit dem jungen Ammerbucher B\u00fcrgermeister angelegt, was dem \u201eB\u00fcrgerverein Ammerbuch\u201c sp\u00e4ter stets eine gewisse Skepsis seitens der Ammerbucher Gemeindeverwaltung einbrachte. Dabei kann man die Aufgeregtheit der B\u00fcrger damals gut nachvollziehen, wenn man sich vor Augen h\u00e4lt, dass in dieser Zeit die Baden-W\u00fcrttembergische Landesregierung f\u00fcr den Landesflughafen in Echterdingen einen alternativen Standort suchte und Ideen eines Gro\u00dfflughafens im Sch\u00f6nbuch oder eines Flughafens auf der H\u00f6he zwischen Tailfingen und Hailfingen ernsthaft diskutiert wurden. Insbesondere letzterer Standort, der als Nachtj\u00e4gerflugplatz w\u00e4hrend des zweiten Weltkriegs schon den Missmut vieler Bewohner des Ammertals und des oberen G\u00e4us erregt hatte, war damals noch mit sehr negativen Erinnerungen verbunden (siehe auch: Mall, V.; Roth, H.: Flugplatz und KZ-Au\u00dfenlager Hailfingen-Tailfingen).<br>Gleich nach der Gr\u00fcndung des Vereins, also im Verlauf des Jahre 1974 bahnte sich neuer Grund zum Protest an: der Kreis B\u00f6blingen plante auf dem aller\u00e4u\u00dfersten Zipfel seines Kreisgebiets, zwischen der neuer\u00f6ffneten Autobahn A 81 und dem westlichen Ortsrand von Altingen ein M\u00fcllkompostierungswerk. Die Herrenberger Kl\u00e4ranlage, die sich schon an diesem Ort befand und damals h\u00e4ufig wegen \u00fcbler Ger\u00fcche in der Kritik stand, sollte in ein Gesamtkonzept einbezogen werden. Besichtigungen von Altinger B\u00fcrgern bei bereits bestehenden M\u00fcllkompostieranlagen (die Dusslinger Anlage befand sich erst in der Planung) machten zweifelsfrei klar, dass man so etwas auf keinen Fall direkt in der Hauptwindrichtung haben wollte. Im November 1974 gr\u00fcndete sich aus dem B\u00fcrgerverein heraus die Altinger \u201eM\u00fcllaktion\u201c gegen dieses Kompostwerk.<br>Insofern verwundert es nicht, dass von den Gr\u00fcndungsmitgliedern die H\u00e4lfte Poltringer, ein Drittel Altinger und 15% Reustener waren. Aus den Ortsteilen Entringen, Pf\u00e4ffingen und Breitenholz fanden erst sehr viel sp\u00e4ter Mitglieder zum B\u00fcrgerverein.<br>Nach den sehr ereignisreichen Jahren der \u201eM\u00fcllaktion\u201c, in denen sich Altinger Alt- und Neub\u00fcrger z.B. bei einigen legend\u00e4ren \u201eM\u00fcllfasnet\u201c-Veranstaltungen n\u00e4her kamen, schwand das Engagement allm\u00e4hlich. B\u00f6blingen hatte den Plan der Kompostieranlage (vorerst!) aufgegeben und die Stadt Herrenberg versprach, ihre Kl\u00e4ranlage technisch so nachzubessern, dass Geruchsbel\u00e4stigungen in der Folgezeit erwartbar klein blieben. So suchte man nach neuen Bet\u00e4tigungsfeldern, insbesondere wollte man nicht immer nur gegen etwas sein, sondern lieber f\u00fcr etwas. Eines der ersten Entringer Mitglieder, Erich Langermann, sollte hierf\u00fcr den Z\u00fcndfunken liefern: er begeisterte insbesondere die Altinger Mitglieder f\u00fcr den Bau eines gro\u00dfen Spielplatzes an der Ammer.<br>Dieses Projekt, das sp\u00e4ter weit \u00fcber Ammerbuch hinaus bekannt werden sollte, besch\u00e4ftigte eine Gruppe von Mitgliedern, immer wieder tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt von der Altinger Chorvereinigung und der Altinger Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr, \u00fcber mehrere Jahre. Erich Langermann konnte auf diesem Spielplatz viele seiner richtungweisenden Ideen umsetzen und erstmals in die damals allgemein noch sehr aufger\u00e4umte und eher schlichte Spielplatzm\u00f6blierung ein Flair von Abenteuerspielplatz bringen. Alles, was mit Bewegung, Geschicklichkeit und Rumtoben zu tun hatte wurde von den Kindern begeistert angenommen und wurde daher sp\u00e4ter von vielen Spielger\u00e4teherstellern mit ebensolcher Begeisterung in deren Programm \u00fcbernommen, im Allgemeinen jedoch ohne einen Hinweis auf Erich Langermanns geistige Urheberschaft. Auf irgendeiner Mitgliederversammlung in den sp\u00e4ten siebziger Jahren schlug dann die damalige Vorstandsfrau Hildegard Cancik aus Reusten mit gro\u00dfer Euphorie vor, sich einem neuen Projekt zuzuwenden: einem Heimatmuseum, das ihrer Vorstellung nach einen passenden Ort in der Reustener Zehntscheuer finden k\u00f6nnte. Langsam lief diese Aktivit\u00e4t an und erschien wohl erst Anfang der achtziger Jahre in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung. Die Zehntscheuer in Reusten war damals noch vom Bauhof u.a. mit dem gemeindlichen Salzlager belegt und die \u00fcbrigen Lagerfl\u00e4chen waren kleinteilig an Privatpersonen verpachtet, etwaige Sammelst\u00fccke konnten dort also vorerst nicht gelagert werden. So kam es, dass diese Aktion zun\u00e4chst von einer permanenten Raumsuche gepr\u00e4gt war, R\u00e4ume oft nur vor\u00fcbergehend zur Verf\u00fcgung standen und Sammelst\u00fccke \u00f6fters umgezogen werden mussten. Eines der gr\u00f6\u00dften Sammelst\u00fccke, die fahrbare K\u00f6del&amp;B\u00f6hm-Dreschmaschine, die zuvor jahrzehntelang in Breitenholz und der n\u00e4heren Umgebung ihren Dienst getan hatte, war beispielweise ganz kurz in der Reustener Zehntscheuer, dann in den Geb\u00e4uden des heutigen Bauhofs und schlie\u00dflich in der Poltringer Schlossscheuer stationiert. Aber auch R\u00e4umlichkeiten in Altingen und Pf\u00e4ffingen waren vor\u00fcbergehende Lagerorte f\u00fcr den immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Fundus an Sammelst\u00fccken. Der Fundus wuchs, aber das Sammeln war eine \u00fcberaus staubige Angelegenheit: h\u00e4ufig wurde man von \u00e4lteren Menschen angesprochen, man k\u00f6nne einige interessante St\u00fccke aus dem b\u00e4uerlichen Arbeitsleben erhalten, aber nur, wenn man den ganzen \u201ealten Lumpengruscht\u201c aus der Scheune auch noch mitnehmen w\u00fcrde. Manches interessante Sammelst\u00fcck verbarg sich in diesem \u201ealten Lumpengruscht\u201c, aber vieles war auch kaputt und musste entsorgt werden. Der Preis f\u00fcr einige sehr sch\u00f6ne Sammelst\u00fccke.<br>Aber nicht, dass es den Sammlern noch langweilig werden sollte: Anfang der neunziger Jahre war die Zeit der gro\u00dfen M\u00fcllvermeidung. Die Deponien waren voll, M\u00fcll wurde verbrannt (mit z.T. sehr giftigen Abgasbestandteilen) und die Idee der M\u00fcllkompostierung erwachte zu neuem Leben.<br>Der Kreis B\u00f6blingen erinnerte sich des kleinen St\u00fccks Land, das er (aus B\u00f6blinger Sicht) jenseits der Autobahn 81 noch hatte und plante erneut eine M\u00fcllkompostieranlage westlich von Altingen. Welch ein D\u00e9j\u00e0-vus! Protesterprobt organisierte der B\u00fcrgerverein wieder eine B\u00fcrgeraktion gegen diese Planungen. Mit dem Ergebnis, dass dem zust\u00e4ndigen Sachbearbeiter beim Regierungspr\u00e4sidium Stuttgart innerhalb der gesetzlichen Einspruchsfrist sage und schreibe 1500 rechtsg\u00fcltige Einspr\u00fcche \u00fcbergeben werden konnten. Was diesen zu der Bemerkung veranlasste: \u201edas ist ja fast wie bei einem Kernkraftwerk\u201c. Auch diese Pl\u00e4ne lie\u00df der Kreis B\u00f6blingen im Endeffekt wieder fallen. Vielleicht auch wegen der gro\u00dfen Wucht des Ammert\u00e4ler Protestpotentials. F\u00fcr die damaligen Akteure jedenfalls eine willkommene Abwechslung von der staubigen Welt der Museumssammelst\u00fccke.<br>47 Jahre nach seiner Gr\u00fcndung kann der B\u00fcrgerverein auf eine wechselvolle, aber doch alles in allem wirklich erfolgreiche Zeit zur\u00fcckblicken. 2018 und 19 wurden von Meinrad Schmid, einem der Gr\u00fcndungsmitglieder, die Sammelst\u00fccke in der Poltringer Schlossscheuer gereinigt, sortiert und so aufgebaut, dass man sie heute trefflich bestaunen kann. Bestaunen auch deswegen, weil die im Scheunenstaub ergraute Mannschaft von Sammlern fast aus den Augen verloren hatte, wie viele z.T. sehr gut erhaltene Sachen am Ende doch gesammelt wurden.<br>Vor dem Hintergrund, dass ehrenamtliches Engagement in Ammerbuch zwar gro\u00df ist, sich aber im Allgemeinen doch eher auf den jeweils eigenen Ortsteil beschr\u00e4nkt(e), war es immer schwierig, ein \u201e\u00fcber\u00f6rtliches\u201c ammerbuchweites Projekt voranzubringen. 50 Jahre nach der Gr\u00fcndung der Gemeinde Ammerbuch sollte diese Eigenbr\u00f6tlerei jedoch deutlich r\u00fcckl\u00e4ufig sein. Den heutigen Akteuren des B\u00fcrgervereins ist daher sehr zu w\u00fcnschen, dass sie mit ihrer erneuten Initiative f\u00fcr ein Heimatmuseum nach Kr\u00e4ften unterst\u00fctzt werden. Es ist ein gro\u00dfartiges Projekt, das sie sich vorgenommen haben und es w\u00e4re schade, diese beeindruckende Sammlung wieder einstauben zu lassen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Dr. Johannes Rothmund (Januar 2021) Der B\u00fcrgerverein wurde am 27.01.1974 gegr\u00fcndet \u2013 als Protestverein! Genaugenommen ging der Vereinsgr\u00fcndung eine B\u00fcrgerinitiative voraus, die sich \u201eAktion B\u00fcrgerwille\u201c nannte. 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