{"id":1131,"date":"2025-11-29T15:37:39","date_gmt":"2025-11-29T15:37:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buergerverein-ammerbuch.de\/bv\/?p=1131"},"modified":"2025-12-01T18:31:34","modified_gmt":"2025-12-01T18:31:34","slug":"ammerbucher-kulturlandschaftselemente-12-ein-weisser-weg-die-weisse-steige-bei-breitenholz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.buergerverein-ammerbuch.de\/bv\/ammerbucher-kulturlandschaftselemente-12-ein-weisser-weg-die-weisse-steige-bei-breitenholz\/","title":{"rendered":"Ammerbucher Kulturlandschaftselemente 12 &#8211; Ein wei\u00dfer Weg?\u00a0 Die Wei\u00dfe Steige bei Breitenholz"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenig oberhalb der steinernen Ruhbank am Feldh\u00e4usle s\u00fcd\u00f6stlich von Breitenholz, am S\u00fcdhang unterhalb Burg M\u00fcneck Richtung Entringen zu, beginnt im Hang eine etwa 3 bis 5&nbsp;m breite Rinne schr\u00e4g den Hang zum Sch\u00f6nbuch hinaufzusteigen. Im unteren Bereich ist sie in den Gipskeuper eingegraben, im oberen Bereich teils schluchtartig bis zu 10&nbsp;m tief eingegraben. An den B\u00f6schungen sind hier noch Reste von alten M\u00e4uerchen festzustellen. Im weiteren Verlauf endet die Rinne pl\u00f6tzlich und scheint mit Aushub, Bauschutt und auch Hausm\u00fcll verf\u00fcllt worden zu sein. Die ganze Strecke ist teils dicht bewachsen mit Geb\u00fcsch und B\u00e4umen, still und verlassen. Lag hier einst eine M\u00fclldeponie mit Zufahrtsweg?<\/p>\n\n\n\n<p>Keineswegs. Vor noch weniger als zwei Jahrhunderten herrschte hier ein reges Treiben: tagt\u00e4glich fuhren beladene Karren bergauf und bergab, die Kutscher fluchten \u00fcber die tiefen Fahrrillen im Morast, leichte einr\u00e4drige Karren wurden gar von Menschenhand gezogen. Transportiert wurden Holz, Steine, Mergelboden, aber auch Korn und anderes. Die Rinne ist nichts anderes als die sogenannte Wei\u00dfe Steige, die als alter Fernweg ehemals vom Oberen G\u00e4u (Bondorf\/Reusten) auf die H\u00f6he des Sch\u00f6nbuchs f\u00fchrte. Ein hohes Alter zeigt allein die Tatsache an, dass dieser Weg \u00fcber weite Strecken zugleich die Gemarkungs-Grenze zwischen Breitenholz und Entringen bildet, er zudem in gerader Linie an Breitenholz vorbeizieht und den Hang in nahezu idealer Linie erklimmt. Im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert wurde die alte Steige allm\u00e4hlich aufgegeben, ersetzt durch den jetzigen Fahrweg, der den Hang bei geringerer Steigung auf halber H\u00f6he durchschneidet. Bis 1853 lag die Unterhaltspflicht f\u00fcr die Wei\u00dfe Steige bemerkenswerterweise bei der Gemeinde Reusten, die demnach wahrscheinlich am meisten von dem Weg profitierte. Und warum eigentlich wei\u00df? Das wird von den wei\u00dflichen Gipslagen herr\u00fchren, die der eingetiefte Weg im unteren Bereich an den B\u00f6schungen freigelegt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie so viele Hohlwege, etwa auch im Kraichgau und andernorts, nutze man die nach dem Bau der neuen Trasse nutzlos gewordene Wei\u00dfe Steige zu Teilen als Deponie. Klassische Hohlwege, die sich im Laufe der Nutzung immer tiefer eingeschnitten haben, sind an den Steilh\u00e4ngen des Sch\u00f6nbuchs mehrfach noch erhalten, wie die Kurze Steige, der Schwarzburg-Hohlweg und der Hohlweg im B\u00fchl.. \u00dcber\u00f6rtliche Verbindungen stellten sicherlich die am H\u00e4rtlesberg nahe der Schwarzenburg die Sch\u00f6nbuch-H\u00f6he erklimmenden Hohlweg-B\u00fcndel dar, ebenso der Herdweg\/die Herdsteige bei Entringen, die Fehlensteige\/Lange Halde, der Bogenackerweg, die steige vom Neuen zum M\u00e4dlesstein, die Wei\u00dfe Steige bei Breitenholz, der Steigrain n\u00f6rdlich Breitenholz sowie die Altinger Steige am Ammelsgraben zwischen Kayh und Breitenholz. Sie repr\u00e4sentieren den Typus alter Wege und Viehtrifte, in deren Trasse im Laufe der Jahrhunderte auch immer wieder gezielt Boden und Steine abgebaut worden sind. Sie erschlossen weniger die Weinberge, sondern f\u00fchrten vielmehr auf und \u00fcber die Sch\u00f6nbuch-H\u00f6hen hinweg, etwa nach Weil im Sch\u00f6nbuch, Bebenhausen oder Holzgerlingen, oder auch weiter Richtung B\u00f6blingen und Stuttgart.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute bieten solche Hohlwege wichtige Lebensr\u00e4ume f\u00fcr eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen. Auf kleinem Raum finden sich hier verschiedenste Bedingungen \u2013 von sonnigen B\u00f6schungen bis zu geh\u00f6lzbewachsenen, schattigen Bereichen. Entstanden, um Menschen miteinander zu verbinden, spielen diese linearen Elemente heute eine wichtige Rolle im Biotopverbund.<\/p>\n\n\n\n<p>Bildunterschrift: Die Wei\u00dfe Steige ist im unteren Bereich in den Gipskeuper eingetieft (\u00a9 Christoph Morrissey)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenig oberhalb der steinernen Ruhbank am Feldh\u00e4usle s\u00fcd\u00f6stlich von Breitenholz, am S\u00fcdhang unterhalb Burg M\u00fcneck Richtung Entringen zu, beginnt im Hang eine etwa 3 bis 5&nbsp;m breite Rinne schr\u00e4g den Hang zum Sch\u00f6nbuch hinaufzusteigen. 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