{"id":1142,"date":"2025-12-12T20:14:07","date_gmt":"2025-12-12T20:14:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.buergerverein-ammerbuch.de\/bv\/?p=1142"},"modified":"2025-12-12T20:14:07","modified_gmt":"2025-12-12T20:14:07","slug":"denkmalrechtlicher-schutzstatus-der-poltringer-schlossscheuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.buergerverein-ammerbuch.de\/bv\/denkmalrechtlicher-schutzstatus-der-poltringer-schlossscheuer\/","title":{"rendered":"Denkmalrechtlicher Schutzstatus der Poltringer Schlossscheuer"},"content":{"rendered":"\n<p>Bei der Poltringer Schlossscheuer handelt es sich um ein <strong>Kulturdenkmal i. S. d. \u00a7 2 DSchG<\/strong>. Sie ist mit folgendem Text in der Denkmalliste verzeichnet:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFruchtkasten (Schlossscheune), zweigeschossige \u00d6konomie mit Satteldach und Mittelrisalit, Erdgeschoss massiv mit profilierten Rundb\u00f6gen, Obergeschoss Fachwerk, 16. Jahrhundert, nach Brand 1930 in ver\u00e4nderter Form wieder hergestellt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ist au\u00dferdem <strong>Bestandteil der Sachgesamtheit \u201eWasserschloss Poltringen\u201c, welche als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung i. S. d. \u00a7 28 DSchG<\/strong> (Alteintragung von 1926 in das w\u00fcrttembergische Landesverzeichnis) gef\u00fchrt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Eintragung der Sachgesamtheit als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung i. S. d. \u00a7 12 DSchG in das Denkmalbuch ist zwar vorgeschlagen, jedoch noch nicht vollzogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus befindet sich die Schlossscheuer im Umgebungsbereich des Herrenhauses (Wasserschloss 3), welches als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung i. S. d. \u00a7 28 DSchG sog. <strong>Umgebungsschutz gem\u00e4\u00df \u00a7 15 (3) DschG<\/strong> genie\u00dft. Das bedeutet, dass bauliche Ver\u00e4nderungen im Umgebungsbereich des Wasserschlosses diesen und das Erscheinungsbild des Kulturdenkmals innerhalb seiner Umgebung nicht erheblich beeintr\u00e4chtigen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Beitragsbild zeigt  einen \u201eSchematischen Lageplan des \u00f6sterreichischen Schlosses zu Poltringen\u201c von 1741 (B 33_Bue 63_[Lageplan] HStA Stuttgart).<\/p>\n\n\n\n<p>In der <a href=\"https:\/\/www.geoportal-bw.de\/#\/(sidenav:karten)\">Online-Denkmalkarte im Geoportal BW<\/a> finden sich folgende Objektinformationen zur Schlossscheuer und dem Gesamtareal:<\/p>\n\n\n\n<p>Schloss Poltringen, gegr\u00fcndet wohl im 12. Jahrhundert durch die Herren von Poltringen, bestehend aus:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <strong>Kernschloss<\/strong> (Wasserschloss 3), dreigeschossiger vierfl\u00fcgeliger und verputzter Massivbau mit Eckturmaufbauten, zwei polygonalen Eckerkern und Kastenerker, Horizontalgliederung durch Kaffgesimse, Portal mit Wappen derer von Wolkenstein und Eberstein, errichtet anstelle eines \u00e4lteren Vorg\u00e4ngers von Baumeister Matthias Wieland, 1565-1570 (a), Umbau nach Entw\u00fcrfen von Heinrich Schickhardt, 1613, Wiederherstellung nach Br\u00e4nden 1706 und 1969;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <strong>Amtshaus<\/strong> (Wasserschloss 2), zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Satteldach, Eckquaderung mit Konsolfigur und Horizontalgliederung durch Kaffgesims, Zwillingsfenster und vermauerter Rundbogen im Obergeschoss, wohl 2. H\u00e4lfte 16. Jahrhundert;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <strong>Remise<\/strong> (heute Wohnhaus, Wasserschloss 1), eingeschossiger verputzter Bau mit Satteldach und \u00d6konomieteil, Rundbogentor, 18. Jahrhundert;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <strong>Fruchtkasten\/Schlossscheune<\/strong> (Wasserschloss 4), zweigeschossiger \u00d6konomiebau mit Satteldach und Mittelrisalit, Erdgeschoss massiv und verputzt mit profilierten Rundb\u00f6gen, Obergeschoss konstruktives Fachwerk, im Kern 16. Jahrhundert, nach Brand 1930 in ver\u00e4nderter Form wiederhergestellt;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <strong>Schlossm\u00fchle<\/strong> (Wasserschloss 6), bestehend aus dem M\u00fchlengeb\u00e4ude, zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Satteldach und Staffelgiebel, Gliederung durch Kaffgesimse, Ladeluken im Giebel mit Schulterbogen, um 1600; Radstube und M\u00fchlrad; Scheune, Massiv- und Fachwerkbau mit Satteldach, wohl 18.\/19. Jahrhundert; Wasserbau (M\u00fchlkanal);<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <strong>Keller<\/strong> (Aiblestra\u00dfe 37) mit Kellerhaus in Bruchstein und Rundbogentor, um 1600;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <strong>Ringmauer<\/strong> des \u00e4u\u00dferen Hofes mit Schie\u00dfscharten;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <strong>Hoffl\u00e4che und umgebender Wassergraben samt gew\u00f6lbter Steinbr\u00fccke <\/strong>und Ummauerung, n\u00f6rdliche Mauer mit zur\u00fcckgesetzter Einfahrt und Torpfosten,\u00a0 sowie Gartenummauerung zwischen Wassergraben und M\u00fchlkanal<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wasserschloss in Poltringen ist ein h\u00f6chst anschauliches Zeugnis f\u00fcr die baulichen Anforderungen an ein Schlossgut durch die Jahrhunderte und dar\u00fcber hinaus ein eindrucksvolles Beispiel f\u00fcr die vom w\u00fcrttembergischen Hof beeinflusste Schlossarchitektur der Renaissance. Zudem besitzt es einen hohen Stellenwert in der Poltringer Geschichte als lokaler Herrschaftssitz.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kernschloss, eine stattliche dreigeschossige Vierfl\u00fcgelanlage, erhebt sich anstelle einer wohl hochmittelalterlichen Anlage, die im 3.Viertel des 16. Jahrhunderts einen Neubau erfuhr. Diesen wiederum baute der w\u00fcrttembergische Hof- und Landbaumeister Heinrich Schickhardt (1558-1635), einer der wichtigsten Baumeister der Renaissance in S\u00fcdwestdeutschland, 1613 zur heutigen Gestalt aus. Auftraggeber war Baron Christoph Franz von Wolkenstein. Das regelm\u00e4\u00dfige Bild der breit gelagerten, von Osten \u00fcber unverbautes Land seit Jahrhunderten weithin sichtbaren Vierfl\u00fcgelanlage wird betont durch die umlaufenden Kaffgesimse, w\u00e4hrend kleine, mit Zeltd\u00e4chern ausstaffierte Eckt\u00fcrmchen gegenteilige Vertikalakzente setzen. Mit diesen griff Schickhardt eine unter Herzog Christoph mit dem Bau der Schl\u00f6sser G\u00f6ppingen, Stuttgart und Pfullingen eingef\u00fchrte charakteristische Bauform w\u00fcrttembergischer Schlossbauten auf. Der reichste Schmuck des Schlosses befindet sich \u00fcber dem Hauptportal: die Wappen der Familien von Wolkenstein und von Eberstein, als Legitimation der Eigent\u00fcmer- beziehungsweise Bauherrenfamilie. An der nordwestlichen Geb\u00e4udeecke erm\u00f6glicht ein zweigeschossiger Erker den ungehinderten Blick zur Einfahrt des Wirtschaftshofes.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schloss z\u00e4hlt zu den bedeutendsten \u00fcberlieferten Schlossbauten Schickhardts f\u00fcr den reichsfreien Adel und ist eines der wichtigen Zeugnisse seines umfangreichen Schaffens im Land. Schon vor dem Neu- beziehungsweise Umbau reichte die Schlossanlage \u00fcber das Herrenhaus hinaus und umfasste zahlreiche Nebengeb\u00e4ude, wie sie in jener Zeit bis weit in das 19. und 20. Jahrhundert hinein ganz selbstverst\u00e4ndlich zum Betrieb eines Schlossguts geh\u00f6rten. Ohne den Gutsbetrieb und die dazu notwendigen Bauten w\u00e4ren Bau und Unterhalt eines solchen Herrensitzes nicht m\u00f6glich gewesen. Insofern bilden Wasserschloss und Wirtschaftsgeb\u00e4ude einen Funktionszusammenhang. Ihre Zusammengeh\u00f6rigkeit ergibt sich dar\u00fcber hinaus auch durch die \u00e4u\u00dfere Wehrmauer, die Schloss und Wirtschaftshof umfasste. Ein Teil davon befindet sich im Nordwesten, als Au\u00dfenmauer der ehemaligen Remise und beiderseits des Einfahrtstors, wo sich sogar alte Schie\u00dfscharten erhalten haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Komplex z\u00e4hlt zu den herausragenden Zeugnissen adeligen Schlossbaus im Zeitalter der Renaissance und dokumentiert landadelige Wohn- und Lebensverh\u00e4ltnisse bis ins fr\u00fche 20. Jahrhundert. Es hat dar\u00fcber hinaus zentrale Bedeutung f\u00fcr die Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte Poltringens und dokumentiert u. a. mit dem repr\u00e4sentativen M\u00fchlenbau sowie dem Amtshaus charakteristische, zum Herrschaftsgut geh\u00f6rige Einrichtungen<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den B\u00fcrgerverein Ammerbuch e.V. \u2013 Boris Dieter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Poltringer Schlossscheuer handelt es sich um ein Kulturdenkmal i. S. d. \u00a7 2 DSchG. 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