Unter einer Burg stellt man sich gemeinhin doch etwas anderes vor: auf den ersten Blick ist lediglich ein teils recht tiefer Graben, der einen kleinen Hügel umschließt, an der Spitze des bewaldeten Bergvorsprunges oberhalb von Breitenholz zu erkennen. Aber kein Zweifel: hier stand einst die Höhenburg des Ortsadels, die sogenannte Burg Müneck. 1924 untersuchte Konrad Albert Koch Teile der Anlage. Seinen nicht durchweg zuverlässigen Ergebnissen zufolge waren ehemals eine Ringmauer, ein Bergfried und ein kleines Wohngebäude (Palas) vorhanden. Der Graben könnte auf seiner Außenseite noch mit einer hölzernen Palisade bewehrt gewesen sein.
Einzelne Bausteine, darunter auch Buckelquader sind zwar noch vorhanden. Wo aber sind die ganzen Mauern geblieben? Die Antwort heißt: Recycling. Vor allem im 19. Jahrhundert wurden die behauenen Steine geholt, insbesondere – so weiß es die Überlieferung – um damit Weinbergmäuerchen zu errichten und auszubessern. Auch andernorts sind Kirchen und Wohnhäuser aus den Steinen verlassener Burgen erbaut worden.
Die 1259 erstmals genannten niederadeligen Herren von Müneck gingen um 1250 aus einer Nebenlinie der Herren von Hailfingen (im Oberen Gäu) hervor und erbauten wohl mit Duldung der Tübinger Pfalzgrafen alsbald die Höhenburg beim 1200 erstmals erwähnten Ort Breitenholz. Schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Burg aber wieder aufgegeben. 1382 wird letztmals ein Münecker (Albrecht von Muineck) als Chorherr in Sindelfingen und Kirchherr von Altingen genannt. 1824 schließlich gelangte die Burgstelle an die Gemeinde Breitenholz.
Müneck gehört mit Herrenberg, Hohenentringen und Roseck zu den bekannten Höhenburgen am Schönbuch-Trauf. Keine glich der anderen, doch alle thronen hoch über dem Gäu. Das ist das Ergebnis eines allmählichen „Aufstieges“ der Ortsherren, die noch bis ins 12. Jahrhundert hinein oft in einem einfachen Steinhaus im Dorf selbst wohnten. Die großen Herren, wie etwa die Grafen von Achalm, die Zollern oder auch die Tübinger Pfalzgrafen, zogen schon um die Mitte des 11. Jahrhunderts mit dem Bau von die Landschaft dominierenden Höhenburgen voran; und wer vom Niederadel es sich leisten konnte, folgte alsbald dieser Mode.
Heute wohnt auf der sonnenbeschienenen Südseite des Hügels die Haarstrangeule. Dieses vom Aussterben bedrohte Geschöpf hat kein Gefieder, sondern gehört zu den Insekten, genauer gesagt handelt es sich um einen Nachtfalter. Die Raupe ist abhängig von einer einzigen Futterpflanze, dem Arznei-Haarstrang. Durch gezielte Pflegemaßnahmen wird sichergestellt, dass die ehemalige Burg auch weiterhin bewohnt werden kann.
Bildunterschrift: Luftbild Burgstall Müneck von Süden (© Christoph Morrissey)