Wer schon einmal am Spielplatz Kundensteigle oder auch am Weg zum Entringer Feibad genauer hingeschaut hat, dem fiel vielleicht die hohe Böschung entlang dem Herdweg auf. Diese beginnt schon an der Lindenstraße und zieht am Freibad vorbei zum Schönbuch-Trauf hinauf, mit einer Gesamtlänge von über 700 m.

Beim Eintritt in den erst seit Beginn diesen Jahrhunderts wieder bewaldeten Schönbuch-Hang beim Bühl bildet die folgende Herdsteige eine 300 m lange, tief eingeschnittene, U-förmige Hohlform. Die Dimensionen dieses Einschnittes lassen eher an ein kleines Tal denken, für einen Hohlweg ist er jedenfalls viel zu groß. Ein Wasserlauf oder Bach aber fehlt. In der Ortsüberlieferung heißt es, im 30jährigen Krieg sei im Herdweg ein Lager errichtet worden. Doch nach einer Schanze oder ähnlichem sieht es auch überhaupt nicht aus. Historisch betrachtet wird der Herdweg ein sogenannter Triebweg sein, auf dem Viehherden in den Schönbuch zur Waldweide getrieben wurden.

Was also ist hier geschehen? Wo die Erde an den Böschungen bloß liegt, fällt auf, dass hier ganz feinkrümeliger, dunkelroter bis bläulich-roter Boden ansteht, die sogenannten Mergel. Offenbar wurden diese Mergel hier beidseits entlang einem alten Weg abgetragen, der Einschnitt ist nichts anderes als eine riesige Erdgrube. Am Weg konnte das Material bequemerweise auch gleich mit Karren abtransportiert werden, zudem war das Gelände unmittelbar um den Weg schon in Gemeindebesitz. Das Abtrags-Volumen liegt grob geschätzt zwischen 10000 und 25000 cbm Mergel und Feinerde. Dies entspricht immerhin mehreren Tausend Lastwagenladungen – Handarbeit wohl gemerkt!

Wer aber brauchte diesen ganzen Mergel und wofür? In Gegenden mit Weinbau war der Bedarf an solchen Böden riesig. Die steilen Rebhänge schwemmten bei jedem Starkregen ab. So soll am 14. Juni des Jahres 1889 nach einem schweren Gewitter der angeschwemmte Morast in den Talwiesen bei Entringen überall „2 Fuß hoch“ auf dem Gras gelegen haben. Die dunkle Farbe der frisch aufgetragenen Mergel diente allerdings auch der schnelleren Erwärmung der Böden bei Sonnenschein, zudem sind einige Nährstoffe enthalten. Ein wahrhaft mühsames Geschäft für die Wintermonate war das Ausbessern (Mergeln) und Auffüllen der Weinberghänge: in Körben, Säcken und auch Butten wurde die Erde den steilen Berg hinauf geschleppt.

Wie groß der Bedarf an Feinböden gewesen ist, verdeutlicht auch die Sage der drei Männer vom Hardtwald: Sie wurden beim Stehlen von Boden ertappt und müssen nach ihrem Tode seither als Spukgestalten immerfort die hinterbliebene Grube mit Erdsäcken wieder auffüllen – bis heute vergeblich!

Auch heute noch hat der Mergel eine wichtige Funktion: Er bietet z.B. Reptilien wie der Zauneidechse gute Bedingungen. Verbunden mit dichter Vegetation als Deckung, Steinen, Totholz oder offenem Boden zum Sonnen sowie niedriger Vegetation als Jagdgebiet also ein rundum perfekter Lebensraum für dieses streng geschützte Reptil.

Bildunterschrift: Die Herdsteige oberhalb des Freibads bei Entringen (© Christoph Morrissey)