In der südwestlichen Ecke des älteren Teils des großen Steinbruches zwischen Entringen und Breitenholz – im vorderen Härensloch – erkennt man unschwer, was hier abgegraben wurde: das weißliche, bröckelige Gestein ist zweifellos Gips. Gut 100 m mächtig sind die sogenannten Gipskeuperschichten am Schönbuch-Rand um Entringen und Breitenholz. Sie bilden eine bewegte und ansprechende Landschaft aus flachen Hügeln, Senken, Tälchen und kleinen Vorsprüngen, verursacht durch den steten Wechsel weicher und harter Schichten. Massige Gipslagen sind unterbrochen von blaugrau bis rötlichen Mergelbändern, unter einer Kappe aus harten Dolomit- und Kieselbänken blieben die heutigen Vorsprünge und Hügel vor Erosion bewahrt. Die Gips-Schichten bildeten sich vor gut 215 Millionen Jahren in einem riesigen flachen See mit gelegentlichen Meereseinbrüchen und stark schwankendem Sauerstoff- und Salzgehalt.

Gipsabbau ist in früheren Zeiten – wie etwa das Sandgraben – vorwiegend von ärmeren Familien ausgeübt worden, die sich damit einen Zuverdienst sicherten. Auch in Entringen gab es sogenannte Gipsmühlen, in denen das bröckelige Gestein zermahlen worden ist. Der Handel mit Gips und Sand aus dem Schönbuch – in Stoffsäcken abgefüllt – ging bis auf die Alb, an den Schwarzwald und in den Stuttgarter Raum. Die Klage mancher Händler ob der launischen Kundschaft lautete: Habe ich Sand, wollen sie Gips. Habe ich Gips, wollen sie Sand. Habe ich beides, wollen sie gar nichts!

Im Gewann Appenhalde, Gänsrain, Mittelweingart, Kreutle und Gachental zeugen große Brüche von der industriellen Ausbeutung im letzten Jahrhundert (1910 bis etwa 1975). Teils wurden sogar in bergmännischer Manier regelrechte Abbau-Stollen in das Gestein vorgetrieben – so auch beim Alten Berg bei Pfäffingen. Fehlte die notwendige Verschalung, stürzte oft der darüber liegende Boden irgendwann einmal nach. Zerkleinert und gemahlen diente der Gips zur Verbesserung und Düngung des Bodens. Für das Baugewerbe war gebrannter Gips ein wichtiges Bindemittel, entweder als Zuschlag zum Zement oder als Estrich und Verputz.

Vom riesigen Gipsbruch im Härensloch übernahm eine eigens erbaute Schmalspurbahn den Transport zunächst zum Entringen und dann zum Breitenholzer Bahnhof, wo eine weitere Mahl- und Brennanlage stand. Insbesondere der Abbau-Bereich im ehemaligen Gewann „Mittelweingart“ (mittlere Weingärten) unmittelbar nördlich des modernen Steinbruchs hat vielfältige und kulturhistorisch wie auch ökologisch wertvolle Strukturen hinterlassen, die zu Recht in das Naturschutzgebiet mit einbezogen worden sind.

Heute wird der Bereich rund um den früheren Gipsbruch mit Schafen beweidet. So entstehen dort nach der intensiven Nutzung im letzten Jahrhundert nun wieder artenreiche, blumenbunte Wiesen.

Bildunterschrift: Abbauwand im ehemaligen Gipsbruch zwischen Entringen und Breitenholz (© Christoph Morrissey)