Etwas merkwürdig mutet bei genauerem Hinsehen die unförmige Mulde in der Sohle des Tälchens zwischen Schwarzenburg und Waldwiesenhalde schon an. Dennoch wird kaum jemand vermuten, dass Menschenhand diese Kuhle geschaffen hat. Das allein wäre ja weiter noch nicht so spannend, doch steht diese Mulde auch für ein jahrhundertealtes Handwerk, das erst um 1900 in der industriellen Produktion aufging und somit aus dem alltäglichen Blickfeld verschwand.

Zu bemerken ist, dass der Boden dort aus feinem, entweder durch Wind angehäuften oder von den Hängen angeschwemmten (eiszeitlichen) Verwit­terungs­lehmen besteht. Offenbar wurde man hier in früherer Zeit fündig auf der Suche nach tauglichem Material zum Brennen von Dachziegeln und Ziegelsteinen. Weitere solcher Gruben wurden um 1970 schon verfüllt. Der Lehm von hier dürfte unmittelbar an Ort und Stelle verarbeitet und auch gebrannt worden sein. Von Ziegeleien ist im oder am Ort jedenfalls nichts bekannt, aufgrund der hohen Feuergefahr mussten sie in aller Regel auch außerhalb der Häuser betrieben werden. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts setzte sich die zentralisierte, maschinelle Fertigung allmählich durch: eine große Ziegelei entstand etwa im Käsenbachtal bei Tübingen im Bereich der alten chirurgischen Klinik (Backsteinbau), oder auch im Oberen Gäu nahe der Londorfer Kapelle westlich Mötzingens, sowie in Nufringen und Ergenzingen.

Die Ziegelherstellung gehört zu den alten Gewerben, die früher oft noch in kleinen Handwerksbetrieben ausgeübt worden sind. Auch Steinhauer, Töpfer, Böttcher, Gerber, Weber, Schmiede, Korbflechter, Rechenmacher und andere mehr gibt es kaum noch. Seit der Erfindung der Dampfmaschine im Jahr 1769 – in Württemberg jedoch erst im Laufe des 19. Jahrhunderts – lösten maschinelle und industrielle Produktion die alten Gewerbe nach und nach – bis heute – ab.

Heute wird die Mulde inkl. der umgebenden Wiese so bewirtschaftet, dass dort der stark gefährdete Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, ein wunderhübscher Schmetterling, gute Lebensbedingungen vorfindet. Dafür braucht er die Raupen-Futterpflanze, den Großen Wiesenknopf. Außerdem ausreichend Nester einer ganz bestimmten Ameisenart. Denn die Raupen haben einen raffinierten Trick: Sie tarnen sich als Ameisen-Nachwuchs und ernähren sich dann in deren Bau von der Ameisenbrut.

Bildunterschrift: Ehemalige Lehmgrube Im Hohen südlich von Entringen (© Christoph Morrissey)