Auf den ersten Blick etwas rätselhaft mutet die gut 1,2 m hohe Steinbank an, die beim Feldhäusle am Beginn der Weißen Steige südlich von Breitenholz steht. Als Sitzbank viel zu hoch, als Tisch zu schmal. Aber was dann? Nur demjenigen, der schon einmal versucht hat, eine schwer beladene Rückentrage – etwa mit einem Kleinkind drin – auf dem Boden abzusetzen, erschließt sich der Sinn in diesen Fällen unmittelbar. Nicht zum Sitzen, sondern zum Abstellen schwerer Lasten diente sie, die auf dem Rücken oder auch Kopf getragen wurden. Ohne dass man sich jedes Mal zu Boden bücken musste und dabei das eine oder andere aus der Trage fiel. Auch das Aufladen ging so ohne fremde Hilfe leichter von der Hand. Oft war oder ist auch ein zweites, deutlich niedrigeres Bänkchen vorhanden gewesen, worauf man sich zusätzlich setzen konnte.

Für uns ist dies heute nur noch schwer nachvollziehbar: weder müssen wir regelmäßig weite Strecken laufen um etwas zu erledigen, und noch viel weniger trägt man dabei schwere Lasten wie etwa Brennholzbündel, Strohgarben, einen Stapel Weinbergstecken, einen Korb mit Steinen oder Mergel, Reisig oder anderes.

Es gab früher auch hölzerne Ruhbänke, wahrscheinlich sogar mehr als steinerne, doch ist von ihnen nichts mehr erhalten. Die Steinernen waren quasi die „Luxusausführung“ und überdauerten die Zeiten besser. Die Ruhbänke bestehen in der Regel aus Keuper-Sandstein, an den Schönbuch-Hängen zumeist aus lokalem Schilfsandstein. Zwei Pfeiler (Füße) tragen einen großen Quersturz (Bank) und sind mit diesem verzapft, oft auch mit eisernen Klammern oder Blechbändern zusammengehalten. Ruhbänke wurden insbesondere im 18. und frühen 19. Jh. errichtet, sozusagen eine Mode in dieser Zeit. Ihre Haupt-Verbreitung liegt im Albvorland mit dem Schönbuch, den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen sowie im mittleren Neckargebiet mit Seitenflüssen bis hinter Heilbronn, mithin also eine württembergische Mode. Sie werden lokal auch Grubbank oder Gruhe, genannt.

Immerhin drei Ruhbänke stehen noch im Naturschutzgebiet auf Gemarkung Ammerbuch: Im Gewann Egertle und im Gewann Schiefer nördlich von Breitenholz wie auch am Beginn der Weißen Steige. Zwei weitere standen am Steigrain nahe Breitenholz, bei Entringen ist zumindest eine ganz verschwunden.

Bildunterschrift: Ruhbank (Gruhe) mit dem ‚Nubenhäusle“ (Schutzhütte) am Anstieg der Weißen Steige (© Christoph Morrissey)