Bei der Poltringer Schlossscheuer handelt es sich um ein Kulturdenkmal i. S. d. § 2 DSchG. Sie ist mit folgendem Text in der Denkmalliste verzeichnet:
„Fruchtkasten (Schlossscheune), zweigeschossige Ökonomie mit Satteldach und Mittelrisalit, Erdgeschoss massiv mit profilierten Rundbögen, Obergeschoss Fachwerk, 16. Jahrhundert, nach Brand 1930 in veränderter Form wieder hergestellt.“
Sie ist außerdem Bestandteil der Sachgesamtheit „Wasserschloss Poltringen“, welche als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung i. S. d. § 28 DSchG (Alteintragung von 1926 in das württembergische Landesverzeichnis) geführt wird.
Die Eintragung der Sachgesamtheit als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung i. S. d. § 12 DSchG in das Denkmalbuch ist zwar vorgeschlagen, jedoch noch nicht vollzogen.
Darüber hinaus befindet sich die Schlossscheuer im Umgebungsbereich des Herrenhauses (Wasserschloss 3), welches als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung i. S. d. § 28 DSchG sog. Umgebungsschutz gemäß § 15 (3) DschG genießt. Das bedeutet, dass bauliche Veränderungen im Umgebungsbereich des Wasserschlosses diesen und das Erscheinungsbild des Kulturdenkmals innerhalb seiner Umgebung nicht erheblich beeinträchtigen dürfen.
Das Beitragsbild zeigt einen „Schematischen Lageplan des österreichischen Schlosses zu Poltringen“ von 1741 (B 33_Bue 63_[Lageplan] HStA Stuttgart).
In der Online-Denkmalkarte im Geoportal BW finden sich folgende Objektinformationen zur Schlossscheuer und dem Gesamtareal:
Schloss Poltringen, gegründet wohl im 12. Jahrhundert durch die Herren von Poltringen, bestehend aus:
– Kernschloss (Wasserschloss 3), dreigeschossiger vierflügeliger und verputzter Massivbau mit Eckturmaufbauten, zwei polygonalen Eckerkern und Kastenerker, Horizontalgliederung durch Kaffgesimse, Portal mit Wappen derer von Wolkenstein und Eberstein, errichtet anstelle eines älteren Vorgängers von Baumeister Matthias Wieland, 1565-1570 (a), Umbau nach Entwürfen von Heinrich Schickhardt, 1613, Wiederherstellung nach Bränden 1706 und 1969;
– Amtshaus (Wasserschloss 2), zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Satteldach, Eckquaderung mit Konsolfigur und Horizontalgliederung durch Kaffgesims, Zwillingsfenster und vermauerter Rundbogen im Obergeschoss, wohl 2. Hälfte 16. Jahrhundert;
– Remise (heute Wohnhaus, Wasserschloss 1), eingeschossiger verputzter Bau mit Satteldach und Ökonomieteil, Rundbogentor, 18. Jahrhundert;
– Fruchtkasten/Schlossscheune (Wasserschloss 4), zweigeschossiger Ökonomiebau mit Satteldach und Mittelrisalit, Erdgeschoss massiv und verputzt mit profilierten Rundbögen, Obergeschoss konstruktives Fachwerk, im Kern 16. Jahrhundert, nach Brand 1930 in veränderter Form wiederhergestellt;
– Schlossmühle (Wasserschloss 6), bestehend aus dem Mühlengebäude, zweigeschossiger verputzter Massivbau mit Satteldach und Staffelgiebel, Gliederung durch Kaffgesimse, Ladeluken im Giebel mit Schulterbogen, um 1600; Radstube und Mühlrad; Scheune, Massiv- und Fachwerkbau mit Satteldach, wohl 18./19. Jahrhundert; Wasserbau (Mühlkanal);
– Keller (Aiblestraße 37) mit Kellerhaus in Bruchstein und Rundbogentor, um 1600;
– Ringmauer des äußeren Hofes mit Schießscharten;
– Hoffläche und umgebender Wassergraben samt gewölbter Steinbrücke und Ummauerung, nördliche Mauer mit zurückgesetzter Einfahrt und Torpfosten, sowie Gartenummauerung zwischen Wassergraben und Mühlkanal
Das Wasserschloss in Poltringen ist ein höchst anschauliches Zeugnis für die baulichen Anforderungen an ein Schlossgut durch die Jahrhunderte und darüber hinaus ein eindrucksvolles Beispiel für die vom württembergischen Hof beeinflusste Schlossarchitektur der Renaissance. Zudem besitzt es einen hohen Stellenwert in der Poltringer Geschichte als lokaler Herrschaftssitz.
Das Kernschloss, eine stattliche dreigeschossige Vierflügelanlage, erhebt sich anstelle einer wohl hochmittelalterlichen Anlage, die im 3.Viertel des 16. Jahrhunderts einen Neubau erfuhr. Diesen wiederum baute der württembergische Hof- und Landbaumeister Heinrich Schickhardt (1558-1635), einer der wichtigsten Baumeister der Renaissance in Südwestdeutschland, 1613 zur heutigen Gestalt aus. Auftraggeber war Baron Christoph Franz von Wolkenstein. Das regelmäßige Bild der breit gelagerten, von Osten über unverbautes Land seit Jahrhunderten weithin sichtbaren Vierflügelanlage wird betont durch die umlaufenden Kaffgesimse, während kleine, mit Zeltdächern ausstaffierte Ecktürmchen gegenteilige Vertikalakzente setzen. Mit diesen griff Schickhardt eine unter Herzog Christoph mit dem Bau der Schlösser Göppingen, Stuttgart und Pfullingen eingeführte charakteristische Bauform württembergischer Schlossbauten auf. Der reichste Schmuck des Schlosses befindet sich über dem Hauptportal: die Wappen der Familien von Wolkenstein und von Eberstein, als Legitimation der Eigentümer- beziehungsweise Bauherrenfamilie. An der nordwestlichen Gebäudeecke ermöglicht ein zweigeschossiger Erker den ungehinderten Blick zur Einfahrt des Wirtschaftshofes.
Das Schloss zählt zu den bedeutendsten überlieferten Schlossbauten Schickhardts für den reichsfreien Adel und ist eines der wichtigen Zeugnisse seines umfangreichen Schaffens im Land. Schon vor dem Neu- beziehungsweise Umbau reichte die Schlossanlage über das Herrenhaus hinaus und umfasste zahlreiche Nebengebäude, wie sie in jener Zeit bis weit in das 19. und 20. Jahrhundert hinein ganz selbstverständlich zum Betrieb eines Schlossguts gehörten. Ohne den Gutsbetrieb und die dazu notwendigen Bauten wären Bau und Unterhalt eines solchen Herrensitzes nicht möglich gewesen. Insofern bilden Wasserschloss und Wirtschaftsgebäude einen Funktionszusammenhang. Ihre Zusammengehörigkeit ergibt sich darüber hinaus auch durch die äußere Wehrmauer, die Schloss und Wirtschaftshof umfasste. Ein Teil davon befindet sich im Nordwesten, als Außenmauer der ehemaligen Remise und beiderseits des Einfahrtstors, wo sich sogar alte Schießscharten erhalten haben.
Der Komplex zählt zu den herausragenden Zeugnissen adeligen Schlossbaus im Zeitalter der Renaissance und dokumentiert landadelige Wohn- und Lebensverhältnisse bis ins frühe 20. Jahrhundert. Es hat darüber hinaus zentrale Bedeutung für die Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte Poltringens und dokumentiert u. a. mit dem repräsentativen Mühlenbau sowie dem Amtshaus charakteristische, zum Herrschaftsgut gehörige Einrichtungen
Für den Bürgerverein Ammerbuch e.V. – Boris Dieter