Ein Thema, das viele beschäftigt, ist die denkmalgeschützte Schlossscheuer in Poltringen. Würden Sie die an einen Investor verkaufen oder als öffentliches Gebäude nutzen und weiter zum heimatkundlichen Museum ausbauen?
Daniel Rudolph: Die Schlossscheuer ist ein Teil eines wunderschönen Ensembles, das für Poltringen ein Wahrzeichen ist. Das müssen wir grundsätzlich erhalten. Trotzdem bin ich der Meinung, wir brauchen dort ein ganz neues Konzept. Mir schwebt vor, dass wir die Schlossscheuer in ein Mehrfamilienhaus für Wohnen und vielleicht auch ein bisschen Gewerbe umwandeln. Es kann ruhig die Kubatur haben, die es jetzt hat. Ob die Bausubstanz erhaltenswert ist oder nicht, das müssen die Fachleute prüfen. Die Schlossscheuer als Teil des Ensembles zu erhalten, ist ganz wichtig. Es kann aber ein Neubau sein.

Und was ist mit dem Heimatmuseum, mit der Sammlung, die ja jetzt schon in einem Teil der Schlossscheuer untergebracht ist?
Daniel Rudolph: Auch ein Museum ist eine sehr interessante und wichtige Sache, Teil des Engagements und des Vereinslebens. Ob das Museum Teil der Schlossscheuer sein muss oder nicht, das kann ich im Moment nicht einschätzen. Vielleicht gibt es auch andere Möglichkeiten an einer anderen Stelle. Wichtig ist, dass wir in kurzer Zeit das Thema Schlosssteuer voranbringen, nicht dass es noch weitere Folgekosten gibt, weil das Gebäude baufälliger wird.
Lukas Haderlein: Ich glaube, die Überlegung verbietet sich, dass man den Haushalt saniert, indem man so ein denkmalgeschütztes Gebäude vielleicht für 150.000 Euro verkauft. Das ist buchstäblich das Verscherbeln des Tafelsilbers. Das macht man nicht. Gibt es denn nur zwei Optionen: behalten und selber verrotten lassen oder verkaufen und im Zweifel abreißen lassen? Es gibt noch eine dritte Option, nämlich dass man es auf viele Schultern verteilt. Das Schlüsselwort dazu ist Genossenschaft. Wenn ich sehe, wie in Reusten, wie in Entringen, wie in anderen Teilorten genau diese Projekte gestemmt wurden, dann glaube ich, ist das der große Hebel für die Schlossscheuer. Und dann behalten wir natürlich auch das Heimatmuseum da.
Daniel Rudolph: Darf ich da mal zwischenfragen? Wie könnte denn eine Nutzung aussehen, außerhalb des Museums? Der Raum, den es in der Schlossscheuer gibt, ist ja wahnsinnig groß. Und wir haben gleichzeitig auch Bedarf an Wohnraum. Dazu würde ja auch ein Museum passen.
Lukas Haderlein: Die Idee wäre tatsächlich, im Erdgeschoss und vielleicht nur einer der ersten Etagen das Museum zu belassen und darüber Wohnraum zu schaffen. Wir hatten auch überlegt, ob nicht vielleicht auch eine Begegnungsstätte reinpasst, wo  ein Verein dann seine Jahreshauptversammlung drin abhalten kann, wo vielleicht auch wieder Hochzeiten, Taufen, Geburtstage gefeiert werden. Ich glaube, wenn wir die Schlossscheuer im Genossenschaftsmodell erhalten, könnten wir diese Themen integrieren: Wohnen, Begegnung, Verein, Ehrenamt und auch Heimat. Und Heimatmuseum ist Heimat.

Ganzes Interview: https://www.swp.de/lokales/rottenburg/vor-der-stichwahl-in-ammerbuch-vom-tango-bis-zur-millionenfrage-die-buergermeisterkandidaten-im-doppelinterview-78845744.html