Ein Spaziergang auf dem viel begangenen Höhenweg vom Entringer Sportplatz aus in Richtung Breitenholz/Herrenberg – dem sogenannten Martinsweg – lohnt allein wegen der herrlichen Aussichten auf Entringen, das Gäu und die Schwäbische Alb. Direkt unterhalb des Waldrandes und über den alten Weinbergen verlaufend liegt etwas oberhalb – kurz bevor von Entringen herauf der Bogenackerweg als tiefe Rinne die Höhe erreicht – ein kleiner Steinbruch an der nach Westen gegen das Ammertal vorspringenden Bergspitze des Hörnles. Hier ist ein Einblick in den Aufbau der Schönbuch-Höhen möglich, sozusagen ein Fenster in die ansonsten unter Bäumen und Gras verborgene Unterwelt der Berge.
Die Felswand zeigt nur zuunterst massives, gräulich-gelbes Gestein, darüber folgen Ton- und Mergelschichten, die in den Farben rot bis dunkelgrau-bläulich auftreten, unterbrochen von hellgrauen Kieselsteinbänken. Was wurde hier eigentlich abgebaut? Hier steht der sogenannte Stubensandstein an. Durch breite Flüsse von Südosten vor etwa 205 Millionen Jahren hier abgelagert bildet der fest verbackene, ehemalige Schwemmsand vielerorts das Dach der anschließenden Schönbuchhöhen.
Je nach Quarzgehalt zeigt dieser Stein örtlich hervorragende Werk-Eigenschaften und machte ihn zum beliebtesten Baustein Württembergs. In großem Maßstab abgebaut wurde er etwa in Dettenhausen und von dort bis nach Köln zum Restaurieren des dortigen Domes verschickt. In dem in Gemeindebesitz befindlichem Steinbruch bei Entringen wurde von den Pächtern, den Gebrüdern Sautter, noch bis um 1920 Steine gebrochen, die sich jedoch als nicht übermäßig haltbar erwiesen.
Steigt man am Steinbruch links vorbei auf die Höhe, zeigt sich der Waldboden hier völlig zerfurcht und zergraben. Hier wurde der bei der Verwitterung der Steine anfallende Sand gegraben, der sogenannte Stubensand. Bis ins letzte Jahrhundert hinein bot der Handel mit diesem Sand – am Schönbuch ein durchaus wichtiges Gewerbe – insbesondere den ärmeren Bevölkerungsschichten den bitter nötigen Zuverdienst zum kärglichen Leben. Seinen Namen erhielt der Stubensand, da er zum Reinigen der groben und nicht wie heute zumeist versiegelten Holzböden in den Häusern ausgestreut und danach abgefegt oder abgebürstet worden ist. Anstatt Scheuermittel und chemischer Keulen taten es also in früherer Zeit recht robuste (mechanische) Reinigungsmittel. Auch ein Beitrag zum Umweltschutz!
Der Ort der Abgrabungen selbst ist heute ein wunderbar vielfältiger Lebensraum, der durch Risse und Spalten im Gestein viele Versteckmöglichkeiten für Insekten, Reptilien und Amphibien bietet. Auch ein Beitrag zum Biodiversitätsschutz!
Bildunterschrift: Ehemaliger Steinbruch am Martinsweg oberhalb von Entringen (© Christoph Morrissey)