Von Entringen nach Tübingen zu Fuß? Ja, warum nicht, zumal im Zeitalter des Wanderns und Joggens. Aber welcher Weg ist hier zu empfehlen? Tatsächlich gibt es ja bereits einen „Tübinger Weg“, der jedoch schon lange außer Nutzung und kaum noch bekannt ist. Aus der Ortsmitte Entringens kommend führte er, heute Lindenstraße genannt, an der alten Linde vorbei über die Talkerbe in den Waldwiesen im Gewann ‚Im Hohen‘ zum Sattel an der Schwarzenburg hinauf. Von dort aus ging es über das Himbachtal/Rosecker Tälchen an Unterjesingen vorbei ins Ammertal nach Tübingen. Im ansteigenden Hang zeigt sich der Weg anfangs nur als seichte Rinne, weiter oberhalb schneidet er als schmaler Hohlweg tiefer ein. Weite Teile des Fußweges sind allerdings schon verfallen, teils verfüllt oder auch verrutscht. Bis vor wenigen Jahren noch sichtbare Reste von Platten und Stufen aus Schilfsandstein sind mittlerweile vom Gras überwachsen..

Es handelt sich dabei um den früher viel genutzten Fußweg und Marktweg nach Tübingen, der erst seit dem Bau der Eisenbahn (1910 Bahnlinie Herrenberg-Tübingen) und dem zunehmenden Straßenverkehr allmählich außer Gebrauch kam und in Vergessenheit geriet. Hier wurden etwa Waren noch bei morgendlicher Dämmerung auf den Markt in Tübingen getragen und hier ging es am Mittag deutlich leichter beladen – so hoffte zumindest jeder – wieder zurück. Kaum noch vorstellbar in heutiger Zeit diese Mühe, und dennoch noch gar nicht so unendlich lang her: die sogenannte „gute alte Zeit“. Ist das Wandern auch heute wieder in Mode gekommen, erinnert der Tübinger Weg doch an die übliche und eher unfreiwillige Art der Fortbewegung in noch nicht motorisierten Zeiten, und auch daran, wofür wir eigentlich unsere Füße haben.

Wer vor dem Gang oder bei der Heimkehr noch Andacht halten wollte, konnte dies zumindest im Mittelalter tun: am Ortsrand bei der heutigen großen Linde stand bis 1550 eine Feldkapelle, die dem heiligen Lorenz gewidmet gewesen war. Wie so manch andere Kapelle fiel sie dann dem sogenannten Feldkirchenerlass zum Opfer, in dem der Landesherr Herzog Christoph von Württemberg die Aufhebung und den Abriss aller außerhalb der Orte gelegenen Kapellen angeordnet hatte. Auch wer schwere Lasten trug, konnte hier nochmals durchschnaufen: Bis in das 20. Jahrhundert hinein stand dort eine steinerne Ruhbank (Gruhe), die jedoch sicher erst lange nach dem Abriss der Kapelle dort aufgestellt worden ist.

Bildunterschrift: Der alte Fußweg von Entringen nach Tübingen, im Hintergrund Entringen (© Christoph Morrissey)